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Kann man die betriebliche Altersvorsorge kündigen?

Kann man die betriebliche Altersvorsorge kündigen

Die Frage, ob man eine betriebliche Altersvorsorge kündigen kann, kommt vielen Anlegern einmal in den Sinn. Nicht immer verläuft der Lebensweg gradlinig und klar. Notfälle und veränderte Umstände, insbesondere bei den Ausgaben und Einnahmen-Situation, können eine sorgsam und gewissenhaft aufgestellte Finanzplanung zunichtemachen. Für Vermögen, von dem angenommen wurde, man könnte es zur Altersvorsorge verwenden, tuen sich plötzlich neu und dringendere Verwendungszwecke auf.

Da bAVs ausgesprochen beliebt sind und erhebliche Werte erzielen können, wundert es nicht, wenn sie die Begehrlichkeiten ihrer Inhaber wecken. Alle Versuche eine betriebliche Altersvorsorge kündigen zu wollen, sollten jedoch gut überdacht werden! Man gibt nicht nur einen wichtigen Baustein der eigenen Altersvorsorge auf, sondern verzichtet auch auf die staatlichen Förderungen, welche die bAV so interessant gemacht haben; rückwirkend! Wobei es ausgesprochen ungewiss ist, ob eine Kündigung überhaupt möglich ist.

Die staatliche Förderung geht mit ausgesprochen strikten Vorgaben einher, die eine Verwendung der bAV für etwas anderes als die Altersvorsorge verhindern sollen. Daher kann es durchaus passieren, dass man selbst nach einer Kündigung das Kapital erst zum Rentenbeginn erhalten kann. Aus diesem Grund sollte man weitere Alternativen und Möglichkeiten in Betracht ziehen, bevor man tatsächlich versucht die betriebliche Altersvorsorge kündigen zu lassen.

Beitragsfreistellung und Vertragsmitnahme

Die starren Vorgaben, welche eine Kündigung verhindern soll, erlauben eine erhebliche Flexibilität beim sonstigen Umgang mit dem Vertrag. Insbesondere Direktversicherungen können auch nach dem ursprünglichen Vertragsabschluss an die Bedürfnisse des Sparers angepasst werden.

Wenn es zum Beispiel ein Problem mit den Beitragszahlungen gibt, ist es ohne weiteres möglich diese nachträglich zu reduzieren. Sollte dieser Schritt nicht ausreichend sein, gibt es sogar die Möglichkeit den Vertrag vollkommen beitragsfrei zu stellen. Wenn man dies tut, werde keine weiteren Zahlungen mehr in die Altersvorsorge getätigt und man kann über das gesamte Gehalt so verfügen, als hätte es nie eine bAV gegeben. Selbstverständlich führt dies auch dazu, dass keine weiteren Gelder investiert werden. Allerdings bleibt die Altersvorsorge selbst aktiv und das bereits angelegte Vermögen kann weiterhin Renditen erzeugen.

Wenn man die betriebliche Altersvorsorge kündigen möchte, weil man den Arbeitsplatzwechsel, gibt es sogar eine noch bessere Option. Die meisten bAVs können auf den neuen Arbeitgeber übertragen werden. Ein Vorgang, der ohne größere Umstände möglich ist und durch eine Mitteilung an die ausführende Institution eingeleitet werden kann. Voraussetzung ist aber natürlich, dass der neue Arbeitsplatz bereit ist den Vertrag zu übernehmen. Sollte das Unternehmen andere Vorgaben oder Konzepte für die bAV bevorzugen, muss ein neuer Vertrag geschlossen werden. In diesem Fall, kann man jedoch das angesparte Kapital aus der alten bAV in die neue übertragen lassen, wenn gewünscht.

Die fünf Wege der bAV

Wer es mit der Kündigung wirklich ernst meint, muss beachten, dass sich die fünf Durchführungswege der bAV erheblich voneinander unterscheiden. Ob eine Kündigung überhaupt möglich ist und welche weiteren Eigenarten zu beachten sind, hängt unmittelbar mit der genauen Vertragsvariante ab. Die Unterschiede zwischen ihnen sind dabei erheblich und nicht immer leicht zu verstehen. Es ist somit zwingend erforderlich, zuerst zu klären, um welche Form es sich genau handelt.

Die betriebliche Altersvorsorge kündigen: Direktzusage

Bei einer Direktzusage hangelt es sich, um eine unmittelbare Zusage des Unternehmens den Arbeitnehmer im Ruhestand eine Rente auszuzahlen. Bis dahin wird ein Teil des Gehalts als Rücklage einbehalten und von der Firma selbst investiert. Eine Absicherung über den Pensions-Sicherungs-Verein ist zwar geboten, der Kern diese Form der betrieblichen Altersvorsorge bleibt aber eine Absprache zwischen Arbeitnehmer und Arbeitgeber.

Die Kündigung ist hier eine reine Verhandlungssache zwischen diesen beiden Parteien. Sollte eine Einigung erzielt werden, darf das Kapital auch vorzeitig vollständig an den Berechtigten ausgeschüttet werden.

Die betriebliche Altersvorsorge kündigen: Unterstützungskassen

An und für sich eng mit der Direktzusage verwandt ist die Unterstützungskasse. Es wird auch hier eine Zusage des Arbeitgebers gemacht, satt das Geld aber direkt im Betriebsvermögen zu halten, wird es in die namensgebende Unterstützungskasse eingezahlte. Dabei handelt es sich um eine vom Unternehmen separate Institution, die sich ausschließlich der Anlage und Verwaltung des investierten Vermögens widmet.

Aufgrund dieser Ähnlichkeit könnte man denken, dass eine Kündigung genauso wie bei einer Direktzusage gehandhabt wird, doch dies ist nicht der Fall. Eine Kündigung ist nicht möglich und der Vertrag darf lediglich beitragsfrei gestellt und damit stillgelegt werden. Das enthaltene Kapital ist damit nicht vorzeitig zu erreichen.

Die betriebliche Altersvorsorge kündigen: Direktversicherung, Pensionskasse, Pensionsfonds

Die komplexeste und umfassendsten Reglung zur Kündigung findet sich bei den verbleibenden drei Varianten der betrieblichen Altersvorsorge: Direktversicherung, Pensionskasse und Pensionsfonds. Insbesondere durch die Direktversicherung sind es auch die gebräuchlichsten Verträge, die für die meisten Leute relevant sind. Eine Beendigung ist nur möglich, solange eine Kleinstanwartschaft besteht. Das heißt, dass man monatlich nur knapp 30 € Rente im Monat ausbezahlt bekommen würde. Da hier die Summe so geringfügig ist, darf man die betriebliche Altersvorsorge kündigen.

Es wird dafür die Erlaubnis des Versicherungsnehmers benötigt, im Normalfall folglich die des Arbeitgebers. Hat man den Vertrag selbständig mit eigenem Geld weiter bespart, ist man selbst die richtige Adresse. Bedauerlicherweise bedeutet die Erlaubnis, die betriebliche Altersvorsorge kündigen zu dürfen, nicht, dass auch das Geld ausgezahlt wird. Vielmehr werden die gezahlten Beiträge weiter zurück gehalten und mit Eintritt in die Rente erstattet. Es gibt sich hier somit die paradoxe Situation, dass eine Kündigung zwar möglich, aber gleichzeitig vollkommen sinnlos ist. Es empfiehlt sich dringend für Beitragsfreistellung oder Vertragsmitnahme, als Alternative zur Kündigung zu entscheiden, um zumindest einen kleinen Nutzen aus der Investition zu ziehen.

Die betriebliche Altersvorsorge kündigen: Steuern

Selbst bei erfolgreicher Kündigung gibt es noch eine weitere Hürde. Durch eine bAV profitiert man von verschiedenen Steuervorteilen und Einsparungen bei den Sozialabgaben. Bei einem regulären Verlauf der bAV würde sie erst mit der Versteuerung der Rentenzahlungen wieder zurückgezahlt werden. Durch die vorzeitige Auszahlung wird ebenfalls die Fälligkeit nach vorne gezogen. Alle Vergünstigungen müssen auf der Stelle beglichen werden. Eine erhebliche Belastung, die das Vermögen signifikant reduzieren kann. Damit nicht genug, muss noch die Verwaltungs- und Einrichtung gezahlt werden. Unter den schlechtesten Umständen können die Gesamtkosten sogar das Vermögen überschreiten!

Zusammengefasst kann man sagen, dass die Kündigung einer bAV zwar möglich, aber extrem problematisch und umständlich ist. Andere Optionen wie die Beitragsfreistellung sind fast immer sinnvoller, und das auf lange und kurze Sicht.

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27. Apr 2022

Alexander
Von Dr. Alexander Straube

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